Der Diabetes mellitus Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Gegenwärtig sind mehr als 31.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland am Diabetes Typ 1 erkrankt. Dabei steigt die Erkrankungsrate weiter an: Bis 2025 wird eine Verdoppelung der Zahl der erkrankten Kinder und Jugendlichen erwartet, wobei die Neuerkrankungsrate vor allem bei den unter 5-jährigen Kindern stark zunimmt.
Die genaue Ursache für den Typ-1-Diabetes ist noch unbekannt, es wird eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren angenommen, die letztlich zu einer Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen führt. Die typischen Symptome sind: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Die Behandlung erfolgt mit Insulin, das nach verschiedenen Strategien zugeführt wird. Dabei werden auch innovative Behandlungsformen, wie sensorunterstützte Insulinpumpentherapie bzw. automatische Insulindosierungssysteme (AID) eingesetzt. Zur Überprüfung des Behandlungserfolges muss eine regelmäßige Stoffwechselkontrolle durchgeführt werden. Erkrankt ein Kind an Diabetes mellitus Typ 1, wird eine intensive Schulung der Patientin oder des Patienten und der Eltern durchgeführt. Anschließend erfolgt eine ambulante Betreuung in enger Zusammenarbeit zwischen kinder- und jugenddiabetologischer Spezialambulanz und Kinderärztin oder Kinderarzt.
Neben dem Typ 1-Diabetes wird heute auch im Kindes- und Jugendalter der Typ 2-Diabetes (früher: Altersdiabetes) beobachtet. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren hat allerdings gezeigt, dass diese Form des Diabetes insbesondere in Europa und den USA zunehmend auch im Kindes- und Jugendalter auftritt. Neben Erbfaktoren sind insbesondere auch Lebensgewohnheiten mit Fehlernährung und daraus resultierendem Übergewicht sowie mangelnder körperlicher Aktivität verantwortlich. Die Ursache der Erkrankung ist kein vollständiger Insulinmangel wie bei Diabetes mellitus Typ 1. Vielmehr entwickeln die Körperzellen eine Insulinresistenz. Das bedeutet, dass sie immer weniger auf Insulin ansprechen, bis sie schließlich unempfindlich (resistent) werden. Die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zielt zunächst auf eine Ernährungsumstellung mit Gewichtsreduktion und Motivation zu sportlicher Betätigung ab. Sollten diese Maßnahmen ohne Erfolg bleiben, kann eine medikamentöse Behandlung oder in der Folge auch Insulin erforderlich werden.
MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young)
MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young) ist die Bezeichnung für eine Sonderform des Diabetes mellitus (Typ 3). Sie tritt meist vor dem 25. Lebensjahr auf und wird in Familien von Generation zu Generation weitergegeben. Ein spezieller molekulargenetischer Nachweis ist möglich. Es sind mehrere verschiedene MODY-Formen bekannt. Die Behandlung erfolgt diätetisch oder medikamentös.
Allen Diabetesformen gemeinsam ist, dass sie durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckerspiegels gekennzeichnet sind. Diese führt langfristig zu schweren Folgeerkrankungen an Augen, Nieren, Herz, Gefäßen und Nerven. Bei absolutem Insulinmangel kann es allerdings schon sehr rasch zu einer akut lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) kommen. Wer gut geschult ist und regelmäßig an den Diabetes-Verlaufsuntersuchungen teilnimmt, hat gute Chancen, diese Komplikationen zu vermeiden.
Oberärztin
Katharina Nadolski
Diabetesberatung für Kinder
Nadine Moseler
Diabetesberatung für Kinder
Christin Schrötter
Die Auszeichnung zum Diabeteszentrum DDG, entspricht den höchsten Qualitätskriterien der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Unser Diabeteszentrum gehört damit zu den führenden Behandlungseinrichtungen für Diabetes mellitus bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Diabetesschulungen werden bei uns in unterschiedlicher Form angeboten. Die Schulungen werden von unserem Diabetesteam durchgeführt. Es besteht aus spezialisierten Kinderärztinnen, Diabetesberaterinnen und Kinderkrankenschwestern, einer Ernährungsberaterin und Kinder- und Jugendpsychologinnen und -psychologen.
Vermittelt werden umfangreiche theoretische und praktische Kenntnisse, die das Management der Erkrankung für die Patientinen und Patienten und ihre Eltern möglich machen sollen. Das Ziel der Schulungen besteht darin, die Patientinnen und Patienten und ihre Eltern zu Expertinnen und Experten für die Erkrankung zu machen.
Wenn Kinder und Jugendliche an Diabetes mellitus Typ 1 erkranken, erfolgt eine umfangreiche praktische und theoretische Schulung. Diese wird stationär durchgeführt und dauert etwa 10 Tage. Die Schulungen werden nach den Richtlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugenddiabetologie durchgeführt.
Die Folgeschulungen werden individuell nach den Wünschen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten durchgeführt. Die regelmäßigen Ambulanztermine bieten auch Gelegenheit dafür. Zusätzlich werden Ernährungsberatungstermine nach Vereinbarung vergeben.Stationäre Gruppenschulungen werden nach Bedarf für unterschiedliche Altersgruppen angeboten.
Diese finden jeweils am Quartalsende in unserer Klinik statt oder werden individuell vor Ort in Schulen oder Kindergärten angeboten.